Warrior Magazin Hall of Fame Erlebnisberichte


Warrior Magazin Hall of Fame 2018 in Groningen

Es war also soweit, wir verließen erstmals für die Warrior Magazin Hall of Fame Deutschland und es ging nach Groningen in die Niederlanden. Erlebinsreiche 4 Tage standen uns bevor, erlebnisreicher als ich eigentlich dachte. Ein Reh auf der Autobahn, der 40. Geburtstag von einem unserer Dozenten, kleine und große Dramen bei mehreren Vereinen und sogar fast das Ende der Warrior Magazin Hall of Fame und dennoch gab es schließlich ein happy End!

 

Beginnen wir am Anfang: Obwohl die Warrior Magazin Hall of Fame von Jahr zu Jahr wächst und ich so viele tolle Menschen durch sie kennen gelernt habe, so gibt es doch auch immer wieder Situationen, die einen zwingen alles zu überdenken. So hatte der ausrichtenden Lehrer der Kurokumo Bushido Akademie in Groningen, ein langjähriger Freund von mir, plötzlich und völlig überraschend das Training aufgegeben. Der Verein stand also vor dem Nichts und damit nicht genug, meine eigenen Schüler waren auch nur mäßig motiviert, den weiten Weg auf sich zu nehmen. Wie kann ich aber erwarten, dass alle Lehrer viele Schüler mitbringen, wenn ich es nicht mal schaffe meine eigenen Leute zu motivieren? In kurzen Worten, die Vorzeichen standen dieses Jahr nicht gut. Ich schreibe dies so deutlich, weil ich weiß, dass es in vielen Schulen solche und ähnliche Probleme gibt, z.B. in einer Schule die seit Jahren ein treuer und gern gesehener Gast auf unseren Events ist. Ich schreibe es, weil Lehrer, Meister und Schulleiter auch nur Menschen sind und irgend wann einmal Nerven zeigen. Ich schreibe dies aber auch, um zu zeigen, dass die Kampfkünste eine tolle Familie sein können. Also weiter im Text…

 

Auf dem Weg nach Holland, mit sage und schreibe einer Schülerin aus München an Bord ging es also auf die weite Reise nach Groningen. Grummelig und mit düsteren Gedanken im Kopf passte es prächtig, dass mir ca. 30 Kilometer vor Groningen am helllichten Tag ein Reh auf der Autobahn vor das Auto sprang. Finanzieller Totalschaden, Rauchschwaden steigen auf, 300 Euro gleich cash für die freundlichen Abschlepper der holländischen Autobahnmeisterei. Immerhin haben die Kameraden das Auto mit Kabelbinder und jeder Menge Panzertape soweit wieder zusammen geklebt, dass zumindest die Hoffnung bestand, es wieder über die Grenze nach Deutschland zu schaffen. Aber das war jetzt alles erst einmal unwichtig, denn ich musste ja eine Hall of Fame bestreiten und selbst wenn es die Letzte sein würde, so sollten die angereisten Lehrer und Schüler in jedem Fall nochmal richtig Spaß haben. Ich erlaube mir an dieser Stelle einen kleinen Exkurs für alle, die es kaum mehr erwarten können sich mit 30 oder 40 Jahren den Großmeistergürtel um den Wanst zu schlingen. Wenn ihr auch nur im Ansatz so etwas wie ein guter Lehrer sein wollt, von Meister oder Großmeister wollen wir hier gar nicht reden, dann bedeutet dies auch, dass ihr eure persönlichen Befindlichkeiten hinten an stellen müsst! Die Schüler in eurer Schule und selbst wenn es nur einer ist, die Leute auf eurem Event, sie alle sind nur hier, um etwas zu lernen und Spaß zu haben und nicht, um sich eure traurige Geschichte oder eure schlechte Laune anzuhören. Also überlegt euch das genau, ehe ihr euch das rot weiß gestreifte Absperrband umschnallt. 

Zurück nach Groningen: Wetter gut, Holländer nett, habe sogar einen Blinker geschenkt bekommen und die Organisation der „sich im Umbruch befindlichen“ Kurokumo Akademie war einfach perfekt. Respekt, wer in schlechten Zeiten so eine Veranstaltung auf die Beine stellen kann wie Arjan, Arend, Renske und ihre Leute vor dem kann man nur den Hut ziehen. Vom Empfang bis zur Verabschiedung war alles perfekt durchgeplant, immer freundlich und immer funktional. So kam es wie es kommen musste, das Wiedersehen mit vielen neuen und alten Freunden war ein voller Erfolg. Die Schüler hatten Spaß, die Laune war gut und es nahte der Samstag Abend. Auf dem Weg zur Eventlocation hatte ich immer noch keinen Plan, ob ich die Warrior Magazin Hall of Fame nun weiter machen sollte. Sicherlich hat die gute Stimmung des Tages meine Absicht das Event hier in Groningen zu beerdigen ins Wanken gebracht, aber eigentlich war ich trotzdem irgendwie durch mit dem Thema. Die Abendlokalität stellte sich dann als weiterer Volltreffer der holländischen Planung heraus. Eine wunderschöne Hochzeitslocation inmitten eines kleinen Parks in der Stadt. Schließlich kamen die Demonstrationen und diese waren auch dieses Jahr wieder toll. Ein besonderes Highlight für mich persönlich war die „betrunkenen Kung-Fu Demonstration“ von Daniel Jao, sowas hatte ich schon Jahre nicht mehr gesehen. Dann kam langsam aber sicher die Zeit der Wahrheit, in wenigen Minuten würde die Bühne mir gehören und ich würde nicht nur die Preise vergeben, sondern auch meine Rede halten. Sonst rede ich an dieser Stelle meist über Freundschaft, Können und Loyalität, über Fleiß oder darüber wie ich jemanden der Anwesenden kennen gelernt hatte. Doch dieses Jahr würde ich darüber sprechen, warum dies die letzte Hall of Fame sein sollte. Tief in Gedanken und mich alleine wähnend reißt mich Dominik Oppold aus meinen Grübeleien. „Ich dachte ich bin der Ninja, wo kommt der denn plötzlich her?“ Egal, er hat wohl gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt und ich erzähle ihm meinen Zwiespalt. Er sagt, er will mich nicht beeinflussen, aber er ist sich sicher, dass alle Stuttgarter Schulen die dieses Jahr dabei sind, definitiv für eine Weiterführung der Hall of Fame wären und dass er selbst sowieso immer dahinter stehen würde. Meine Entscheidung wankt und kippt. 

 

Ich gehe raus auf die Bühne und erzähle von meinen Absichten, von meinem Gespräch mit Dominik, von dem guten Geist, den man auch auf dieser Hall of Fame wieder fast mit Händen greifen kann. Ich kündige die nächste Hall of Fame für 2019 an und der Applaus der Leute gibt mir wohl recht. Erstmalig seit vielen Jahren gebe ich wieder alle fünf möglichen Einladungen in die Hall of Fame heraus. Daniel Jao, der mich wirklich mit seiner Kunst begeistert hat, bekommt eine. Mario Taccogna bekommt auch eine, ein großartiger Boxer auf einer „Kampfsportveranstaltung“, zum zweiten Mal dabei und schon kaum mehr weg zu denken. Gordan Krajacic bekommt ebenfalls eine, extra aus Kroatien gekommen und ein richtiger Kämpfer und kein Schönwetterkampfsportler, so ein Typ wie ich sie mir eben immer gewünscht habe auf der Hall of Fame. Am Ende gibt es noch eine Überraschung. Mein langjähriger Hall of Fame Freund Ali Ol hat seine zwei Schulen an seine zwei besten Schüler übergeben, die ich nun auch schon viele Jahre auf ihrer Kampfsportlaufbahn begleiten durfte. Maxim Walter und Maxi Mauritz bekamen damit die letzten beiden Hall of Fame Einladungen, denn jetzt treten sie in ziemlich große Fußstapfen, die ihnen Ali hinterlassen hat. 

 

Ende gut, alles gut könnte man also sagen. Absolut, und es wurde sogar noch besser. Am Sonntag Abend feierten wir dann noch den 40. Geburtstag unseres Hall of Fame Mitglieds Felix Schmidt und auch hier haben die Leute von der Kurokumo Bushido Akademie geglänzt. Zwei Tesla Model X holten uns am Hotel ab und es ging zu einer tollen Feier, bei der einige später in der Nacht seltsamerweise nur noch in ihrer Unterwäsche gekleidet zu Fuß den Weg ins Hotel fanden. Dies aber ist eine andere Geschichte. Unsere Geschichte geht weiter auf der 7. Warrior Magazin Hall of Fame in Siegen 2019. 

Text: Andreas Leffler Bilder: Andreas Leffler, Carina Kell, Kurokumo Bushido Akademie Groningen