Berichte aus der Kampfkunstwelt national


Return of the Dragon

11. Hall of HONOurs Munich 2018

Den „Hall of Honours“ Veranstaltungen von Gregor Huss haftet ja schon seit Jahren ein gewisser Glamourfaktor an. Jenseits von Meister und Großmeistern aller Stile trifft man auch mancherlei Stars und Sternchen aus der bunten Welt der Kampfkünste und wo kann man das sonst schon in Deutschland? Dieses Jahr aber wartete er für mich mit einem weiteren Highlight auf. Der Dragon war in München gelandet. 

 

Das Neue ist des Alten Feind. Das weiß auch Gregor. Wenn ein Event zu oft zu gleich ist wird es langweilig und in einer schnelllebigen Welt ist nichts tragischer, als wenn man in den Verdacht gerät, immer das Gleiche anzubieten. Wer es also schafft eine Veranstaltung 11 Jahre am Leben zu erhalten und zum Erfolg zu führen, der muss sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen. 

 

2017 standen ja bereits der Umzug in den traditionellen Hofbräukeller in der Münchner Innenstadt sowie die Neueinführung des Strong Man/Woman Wettkampfes auf der Agenda. Letzterer entstand unter der Federführung vom mehrmalige Bodybuilding Weltmeister Benno Stangl und dem Fitnessmodel Agata Dowding. 

 

Dann gibt es natürlich die Stars und Sternchen, die einen erwarten. Filmlegende Cynthia Rothrock, Hollywoodgröße Dr. Robert Goldman, Stuntgirl Anqi Nimbach, Großmeister Samuel Kwok und Schauspieler Silvio Simac, der aus unzähligen Action- und Kampfsportfilmen, von „Man of Tai Chi“ bis „Undisputed 2“ bekannt ist zählen ja schon fast „zum Inventar“ des Events. Was für Kampfsportler der „alten Garde“ wie mich in den 90ern unglaublich schien ist plötzlich zur Realität geworden. Das Hollywood der Kampfkunststars mitten in München. 

Doch der Mensch ist schnell unzufrieden und gelangweilt und so gilt selbst hier, das Neue ist des Alten Feind und wer das Event regelmäßig besucht, der läuft Gefahr das sicherlich nicht ganz einfach zu organisierende Staraufgebot als selbstverständlich zu nehmen. Um dem entgegen zu wirken hat Gregor Huss dieses Jahr nochmal einen echten Knaller drauf gesetzt. Neben den „üblichen Verdächtigen“ waren auch Kickboxlegende und Schauspieler Daisy Lang hier und der für mich coolste Neuzugang Don „the Dragon“ Wilson. Der 11fache Kickboxweltmeister und bekannte Genre-Schauspieler aus zahllosen Martial Arts Filmen zeigte sich dann auch als ziemlich unterhaltsamer und lustiger Geselle, der wie Cynthia Rothrock auch „den Star zum anfassen“ bestens verkörperte. 

Doch der Mensch ist schnell unzufrieden und gelangweilt und so gilt selbst hier, das Neue ist des Alten Feind und wer das Event regelmäßig besucht, der läuft Gefahr das sicherlich nicht ganz einfach zu organisierende Staraufgebot als selbstverständlich zu nehmen. Um dem entgegen zu wirken hat Gregor Huss dieses Jahr nochmal einen echten Knaller drauf gesetzt. Neben den „üblichen Verdächtigen“ waren auch Kickboxlegende und Schauspieler Daisy Lang hier und der für mich coolste Neuzugang Don „the Dragon“ Wilson. Der 11fache Kickboxweltmeister und bekannte genre-Schauspieler aus zahllosen Martial Arts Filmen zeigte sich dann auch als ziemlich unterhaltsamer und lustiger Geselle, der wie Cynthia Rothrock auch „den Star zum anfassen“ bestens verkörperte. 

Text: Andreas Leffler, Bilder: Archiv Warrior Magazin


Schmetterlingsmesser im Chow Gar Kung-Fu

Über den Autor

Sifu Ali Ol ist direkter Schüler von Meister Ho Kim Hung in der Linie von Großmeister Chow Biu (1899-1961). 2000 gründete er die German Chow Gar Association und unterrichtet  den Chow Gar Kuen Stil in Siegen an seine Schüler. 2009 veröffentlichte Sifu Ali Ol das erstes Buch über das Chow Gar Kuen in deutscher Sprache. 2015 wird Sifu Ol in die Hall Of Fame des Warrior Magazin aufgenommen und ist freier Autor dessen.

 

Der Stil

Das Chow Gar Kuen Kung-Fu, das auch unter dem Begriff Hung Tou Choy Mei bekannt ist, wurde von Meister Chow Lung in der Provinz Guangdong gegründet. Heute zählt es zu den bekanntesten südlichen Kung-Fu Stilen weltweit. Dieser einzigartige Stil, der sich aus 3 verschieden Systemen (Hung Gar Kuen, Choy Gar Kuen, Northern Shaolin zusammensetzt hat viele Anhänger auf der ganzen Welt und erfreut sich heute einer großen Bekanntheit. Das Training in den vielen Chow Gar Schulen weltweit beinhaltet die überlieferten Verteidigungstechniken, Löwentanz sowie eine unterschiedliche Anzahl (ca. 30-50 Formen je nach Schule/Meister) von traditionellen Handformen, Waffen- und Partnerformen.

 

Die Schmetterlingsmesser

Keine Waffe ist enger mit dem kriegerischen Erbe Südchinas verbunden als die Schmetterlingsmesser. Sie sind ein weit verbreiteter und unverwechselbares Zeichen der dortigen Kampfkünste. Ob Chow Gar, Hung Gar, Choy Lay Fut, Lau Gar, Wing Chun um nur einige zu nennen, haben diese Waffe in ihrem Repertoire als fester Bestandteil des Waffentrainings. Der Ursprung und die Entwicklung der Messer ist leider heute nicht mehr nachvollziehbar oder zurückzuverfolgen. Jedoch kann man davon ausgehen, das diese Messer wie viele andere traditionelle Waffen auch, aus den umfangreichen Arsenal der altchinesischen Haushaltgegenstände wie dem Hackmesser hervorgegangen ist und sich im Laufe der Geschichte zu einer Militär- und Kampfwaffe entwickelt hat. Erste Berichte über diese Waffe tauchen in der westlichen Welt erstmals Anfang des 19.Jahrhunderts in Aufzeichnungen von Missionaren und Handelsreisenden auf. Erst in der Zeit des ersten Opiumkrieges (1839-1842) fanden einige, durch das britische Militär erbeutete Exemplare ihren Weg nach Europa. Fälschlicherweise wurden diese Waffen damals als Doppelsäbel deklariert, was jedoch dem damaligen Wissenstands in Europa über die Waffen des alten Chinas entsprach. Jedoch ist es offensichtlich das die Form der Klingen (Bild a/b) eine ganz andere war und nicht der Form entsprach wie wir sie heute kennen. Die heutige Form der Schmetterlingsmesser mit den breiten Klingen ist erst Anfang des 20. Jahrhunderts (Bild 2) entstanden. An den Hauptmerkmalen dieser Waffe hat sich jedoch bis heute nichts verändert. So ist allen gleich, das die Messer einen Halbgriff haben. Man kann die Klingen so zusammenfügen das sie in eine Hülle oder Scheide passen. Auch an der Idee das die Klingenvorderseite scharf und die Rückseite Stumpf ist hat sich bis heute nichts verändert. Ein weiteres Merkmal ist der am Handschutz weitergeführte Haken der Messer. Theoretisch soll man mit diesen Haken die gegnerische Waffe fangen und durch entsprechende Hebelbewegung den Gegner entwaffnen. Beschämend muss ich an dieser Stelle jedoch zugeben, das mir nach 30 Jahren Training mit den Schmetterlingsmessern und vielen Sparringskämpfen gegen schnell und geschickt agierende Schwert- und Säbelkämpfer (mit Holzwaffen) es kaum oder sehr schlecht gelungen ist diese zu Entwaffnen. Natürlich sind meine Erfahrung mit der Prämisse, dass es Praktiker gibt die dies beherrschen. Was jedoch für mich einleuchtender und praktischer Umzusetzen war, ist das Einhaken des Daumens am Haken für schnelle Drehungen der Messer nach innen. Nach dem dre­hen liegen die Messer so an den Unterarmen, dass ohne Schwierigkeiten Blöcke ausgeführt oder mit dem Stumpf des Griffes Stiche und Schläge ausgeteilt werden können.

 

Die Wahl der richtigen Waffe

Die Wahl der falschen Waffe kann bei der Ausführung der Techniken fatal sein und den Fortschritt verlangsamen. Bei Techniken, wo die Messer auch nach innen gedreht werden, sollte man darauf achten, dass die Haken ge­nug Platz bieten, damit sie einfach zu handhaben sind. Auch auf eine gute und solide Qualität sollte man achten, denn man möchte ja keinen losen Handgriff oder eine krumme Klinge haben. Besondere Beachtung gebührt der Größe der Handgriffe: Wenn man kleine Hände hat, ist es schwerer, mit großen Handgriffen komfortabel umzugehen. Umgekehrt ist es mit großen Händen sehr schwer, mit kleinen Handgriffen sauber umzugehen. Schmetterlingsmesser gibt es in verschiedenen Größen, Gewichten und Preislagen. Sie können aus verschiedenen Metallen hergestellt sein, wie Aluminium, verchromten Stahl oder Edelstahl. Die Preise variieren von ca. 50,- Euro für das einfache Paar bis hin zu 600,- Euro für Einzelanferti­gungen.

 

Unterschiedliche Namen

Für Laien sind die verschiedenen chinesischen Namen unter den die Schmetterlingsmesser betitelt werden etwas verwirrend, jedoch beziehen sich die verschieden Namen größtenteils auf die gleiche Waffe. Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit und der absoluten Richtigkeit sind nachfolgend einige Beispiele und Erklärungen für die unterschiedlichen Namen dieser Waffe:

Chow Gar Kuen -

Bao Jong Do (Kantonesisch) - Unterarmmesser steht für die Länge der Klingen, die der Länge der Hand und des Unterarms des Benutzers entspricht.

Hung Gar / Hung Kuen / Choy Li Fut Systeme -

Ji  Mou Dou (Kantonesisch) - Mutter und Kind Messer steht für die harmonische Zusammenarbeit der Messer. Das Kind folgt der Mutter und umgekehrt. Ein Messer folgt dem anderen.

Wu Dip Seung Do / Wu Dip Do  (Kantonesisch) - Schmetterlingsmesser steht für das Einklappen und Ausklappen der Messer das an den Flügelschlag eines Schmetterlings erinnert.

Wing Chun / Wing Tsun / Ving Tsun Systeme -

Baat Cham Do / Baat Zaam Do (Kantonesisch) - Acht Richtungs- oder Punktemesser steht für die Angriffspunkte welches Handgelenke, Fußgelenke, Kniegelenke und Ellenbogengelenke sind.

Wushu allgemein  

Hu Die Dao (Mandarin/Hochchinesisch)

 

Koordination 

Mit dem Messern können sehr starke und effektive Doppelblöcke ausgeführt werden, wobei sie entweder zu Abwehr gekreuzt werden oder parallel geführt zum Block genutzt werden. Ein weiterer enormer Vorteil dieser Waffen sind simultan ausgeführte Blöcke und Schnitte/Hiebe. Eine Waffe dient der Abwehr und mit der anderen kann man sehr effiziente Schnitte ausführen ohne dabei die Bewegung unterbrechen zu müssen.

 

Schrittarbeit

Die Schrittarbeit sollte dynamisch und schnell erfolgen und ohne jedes zögern. Die Augen dürfen zu keiner Zeit den Kontakt zum Gegner verlieren. Die Stellungswechsel müssen logischerweise von alleine und ohne nachzudenken funktionieren, damit der gesamte Fokus auf den Gegner gerichtet werden kann. 

 

Der Nutzen heute

Obwohl diese alte traditionelle chinesische Waffe im Zeitalter vom Schusswaffen offensichtlich keinen praktischen Nutzen mehr zu scheinen hat, ist sie immer noch vol­ler Vorzüge für den Kung-Fu Praktizierenden. Das Training mit den Schmetterlingsmessern vergrößert die Stärke, insbesondere der Handgelenke und Unterarme, die Ausdauer, das Timing und die Augen-Hand-Fuß-Koordination. Außerdem legen die Schmetterlingsmesser den Grundstein für ande­re Doppelwaffen. Man sollte auch immer in Erinnerung behalten, dass diese Waffe eine Verlängerung der Hand/der Arme ist und jede Technik, die man mit den Waffen ausführt, kann eventuell genauso mit der leeren Hand/Arm angewandt werden. Dadurch wird dem Studierenden eine größere Viel­zahl von Techniken, aus denen er wählen kann, zur Verfügung gestellt und er bekommt ein tieferes Verständnis für seinen Kung-Fu Stil.

Text: Ali Ol, Bilder: German Chow Gar Association